Last Call THF – Lost Call BER?

Last Call THF – Lost Call BER?

Zum 5. Jahrestag der THF-Schließung erscheint der letzte Tempelhof-Newsletter

Tempelhof_30.10.2008_

Stummer Protest auf dem Vorfeld von THF am Abend des 30.10.2008

Liebe Tempelhof-Freunde, liebe Leser unseres Newsletters,

seit dem März 2013 haben wir nun das Berliner Flughafentheater nicht mehr kommentiert, und melden uns hiermit zum 5. Jahrestag der Tempelhof-Schließung am 31.10.2008, dem Aufgalopp zur hiesigen Flughafenkrise, ein letztes Mal zu Wort.

Im Oktober 2013 ist Tempelhof vor allem eins: Kein zentraler Standort für Wirtschaft, Wissenschaft und Wohnen!

Und der profitable Betrieb des gesamten (!) Objekts, das immerhin fast doppelt so groß ist wie der Berliner Tiergarten, ist mangels entsprechender Nachfrage ausgeschlossen.

Aber genau das wurde für die Zeit nach der Tempelhof-Schließung von Wowereit & Co behauptet. Tempelhof weiterhin als Flughafen zu nutzen, entsprach demzufolge dem Ausschlagen einzigartiger Entwicklungschancen.

Die damalige Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sprach von mindestens 4500 Arbeitsplätzen und 2 300 Wohnungen (Die Welt, 02.10.08, Träume für Tempelhof). Wenige Monate zuvor nannte Junge-Reyer sogar noch 10 000 Arbeitsplätze und 5 000 Wohnungen (Die Welt, 28.04.08).

Zudem wurde auf vermeintlich untragbare Betriebsverluste von THF verwiesen, die die Flughafengesellschaft über Gebühr belasten würden. Dass der Flughafen Tempelhof bis zu seiner Schließung keine Mittel aus dem Landeshaushalt benötigte, danach jedoch reichlich, ist eine der vielen bitteren und von uns immer wieder benannten Pointen.

Wir wollen auch kurz vergleichen: Angeblicher Verlust von THF 10 Mio. Euro pro Jahr. Konsequenz: Schließen. Ausgewiesener Verlust der Flughafengesellschaft FBB in 2012 (ohne Tempelhof): 185 Mio. Euro. Konsequenz: Weiterwurschteln.

Fast zwei Jahre nach der gegen den Willen von fast 530 000 Berlinern, durchgesetzten Tempelhof-Schließung konnte dann schließlich die fehlende Nachfrage nach den so oft besungenen Nachnutzungen nicht mehr ohne Konsequenzen bleiben, und der Berliner Senat schwenkte auf das Projekt „Wiese“ um.

Im August 2010 verkündete Junge-Reyer auf der Ausstellungseröffnung des Wettbewerbs „Parklandschaft Tempelhof“, dass es der Wille der Bevölkerung sei, das Flughafengelände „nicht zu sehr zu verformen“. Mangels profitabler Forschungs-, Gewerbe- und Wohnlandschaften gab es nun also den Notnagel, die „Parklandschaft Tempelhof“.

Schon 2009 war die Modemesse „Bread & Butter“ als sogenannter Ankermieter nach Tempelhof gekommen, was de facto 2 x 3 Ausstellungstagen pro Jahr entsprach.

Immerhin blieb Berlin die Realisierung des Wettbewerbsbeitrags „Puffhafen Tempelhof“ erspart, den die Senatsbaudirektorin Lüscher als „interessant“ bezeichnet hatte.

Am 31.10.2008, also vor 5 Jahren, wurde der Flughafen Tempelhof geschlossen – Sie erinnern sich, mit einer Party, angeführt von unserem „Party-Meister“ Klaus Wowereit. Bei seiner Rede wurde er ausgebuht und ausgepfiffen. Die Rede von Damals-noch-Geschäftsführer Dr. Schwarz wollte auch niemand hören.

Kurz vor Mitternacht – es gab „freezing rain“ bei 1° Celsius – starteten die zwei letzten Flugzeuge, die DC3 von Air-Service-Berlin und die Ju-52 der Lufthansa. Die letzten Funksprüche, die einem die Tränen in die Augen treiben können, finden Sie hier:

Wie sieht die Zukunft Tempelhofs aus?

Am 26.08.10 war in der B.Z. zu lesen: „FLUTHAFEN TÜMPELHOF – Der irrste Plan des Jahres: Bürger-Initiative will ehemaligen Flughafen zum künstlichen Teich machen.“ Und das alles sollte nur schlappe 230 Mio. Euro kosten. Ja, und der Irrsinn hat seitdem nicht spürbar nachgelassen. Das Projekt wird gerade wieder ausgegraben.

Da der vermeintliche Park den Flughafen bisher nicht überdecken konnte, soll nun mit einem Wasserbecken, mit Wohnungen und mit einer Bibliothek (Startgebot 270 Mio. Euro, Endsumme offen) der Sack wohl endgültig zugemacht werden. Woher das Geld für diese punktuellen Nutzungen kommen soll bzw. wo es dann fehlen wird, wird verschwiegen.

Der Geist des Ortes, sprich der des bürgernahen Flughafens, wird weiterhin mit Nachdruck hinweggeredet werden, obwohl nach 5 Jahren des Nichtstuns die stadtplanerischen Lügen schon sehr kurze Beine haben.

Zur selben Zeit platzt Tegel aus allen Nähten, belastet die Airlines und überlastet seine Anwohner.

Nachdem wir jahrelang hartnäckig darauf beharrt haben, dass der neue Flughafen BBI/BER, wenn er dann im Frühjahr 2016 ff. an den Start gehen sollte, zu klein sein wird, ist diese Einschätzung nun endlich zum Allgemeingut geworden.

Die in Tempelhof – und demnächst in Tegel – vernichtete Flughafenkapazität wird dann dem Berliner Flughafensystem spürbar fehlen. Vernünftig ist das nicht, sondern, mit Verlaub, irre!

„Das Thema Tempelhof“ verabschiedet sich heute von Ihnen. Nach fast 7 Jahren und über 250 Newslettern, nach drei Auflagen unseres Tempelhof-Buchs und nach diversen Postkartenserien, bedanken wir uns ganz herzlich für Ihr Interesse und für Ihre Unterstützung!

Ein neuer Newsletter-Titel zum BER ist geplant, und wir würden uns freuen, Sie erneut als Leser begrüßen zu dürfen. Wenn Sie den neuen Rundbrief nicht erhalten wollen, aktivieren Sie bitte den Abbestell-Link am Ende des Textes.

Und Klaus Wowereit hat wieder Ambitionen auf den Aufsichtsratsvorsitz der Flughafengesellschaft? Last Call THF, lost Call BER? Wir werden es sehen!

Mit den besten Grüßen
Ihr Thema-Tempelhof Team

Veranstaltungshinweis

Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de lädt zum Gedenken an den 5. Jahrestag der Schließung des Flughafens Tempelhof (THF) am 31.10.2008 ein.

Datum: Mittwoch, 30.10.2013
Uhrzeit: 17:30 Uhr bis 21:00 Uhr
Ort: Vor dem THF-Hauptgebäude, Am Adlerkopf, Platz der Luftbrücke

Aktuelle Informationen bitte unter www.be-4-tempelhof.de abrufen.

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