Gabriel stellt raschen Ausbau erneuerbarer Energien in Frage

Gabriel stellt raschen Ausbau erneuerbarer Energien in Frage

31.08.2013, 10:56 Uhr

Sigmar Gabriel will bei der Energiewende einen Schritt zurückgehen: Der SPD-Chef will die Komplett-Abkehr vom EEG. Die Förderung von Offshore-Windparks will er aus der Umlage herausnehmen. Gabriel setzt weiter auf Kohle.

Die Sonne scheint in Inden auf eine Solaranlage. SPD-Chef Sigmar Gabriel will in Zukunft wieder vermehrt auf fossile statt auf erneuerbare Energiequellen setzen. Quelle: dpa
Die Sonne scheint in Inden auf eine Solaranlage. SPD-Chef Sigmar Gabriel will in Zukunft wieder vermehrt auf fossile statt auf erneuerbare Energiequellen setzen. Quelle: dpa

DüsseldorfSPD-Chef Sigmar Gabriel rückt vom Ziel eines raschen Ausbaus erneuerbarer Energien ab. Deren Ausbaudynamik müsse kontrolliert werden, „je mehr, desto besser – das ist falsch“, sagte Gabriel der Düsseldorfer „Wirtschaftswoche“. Zugleich sprach er sich für eine Abkehr vom Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus. „Das EEG war ein kluges Gesetz, als grüne Energien eine Nische waren, jetzt entwickelt es sich zum Hindernis für deren Zukunft“, sagte der SPD-Chef.

„Wenn die Energiewende nicht komplett neu gestartet und endlich professionell gesteuert wird, stehen wir vor dem größten Deindustrialisierungsprogramm unserer Geschichte“, warnte Gabriel weiter. Er schlug vor, die Förderung von Offshore-Windparks aus der Umlage herauszunehmen und aus Steuermitteln zu bezahlen. Auch seien die bisherigen Ausbauziele dort „sehr unrealistisch“.

Fragen und Antworten zur Förderung der erneuerbaren Energien

Alles anzeigen

  • Was ist die EEG-Umlage?

    Rund 45 Prozent des Strompreises machen bereits Steuern, Abgaben und Umlagen aus – im Fokus steht besonders die sogenannte EEG-Umlage. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind für Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerke auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungssätze festgelegt. Daher ist mit einem raschen Sinken der Förderkosten vorerst nicht zu rechnen.

  • Wie werden die Vergütungssätze berechnet?

    Gezahlt wird die Differenz zwischen dem garantierten Vergütungssatz für den Hersteller und dem tatsächlich am Markt erzielten Preis. Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und von Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Fördersummen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert.

  • Wie hoch ist die EEG-Umlage derzeit?

    Seit 2013 liegt die EEG-Umlage bei 5,28 Cent je Kilowattstunde

  • Was ist das Quotenmodell?

    Beim Quotenmodell müssen Energieversorger einen bestimmten Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen liefern – notfalls durch Zukauf von Ökostrom bei Betreibern von Wind- oder Solarparks. Wie sie das anstellen ist nebensächlich, Hauptsache sie erfüllen die Quote. Wenn sie die Quote nicht erfüllen, müssen sie Strafe zahlen. Bisher haben etwa Großbritannien und Schweden das Quotenmodell umgesetzt.

Gabriel machte auch deutlich, dass er für die kommenden Jahrzehnte weiter auf fossile Energien setzt. „Man kann nicht gleichzeitig aus der Atomenergie und der Kohle aussteigen“, sagte der SPD-Chef. Zudem würden neue Gaskraftwerke dringend benötigt.

afp: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energiewende-gabriel-stellt-raschen-ausbau-erneuerbarer-energien-in-frage/8722014.html

Advertisements